Now Archive

Time in Space TiS
Im Juni 2019 erhielt ich die erfreuliche Nachricht, dass mein Project Proposal ,TiS-Time in Space‘ im Rahmen der Nordic Summer University Anniversary-Feierlichkeiten realisiert werden würde. Das Konzept für TiS umfasste eine Rauminstallation, welche Fragmente aus dem Archiv der siebzigjährigen Nordic Summer University für alle Besucher interaktiv zugänglich und unmittelbar erfahrbar präsentiert.
Spuren der Vergangenheit im Dialog mit dem Raum, der Gegenwart und den Menschen, die NSU geformt haben und heute prägen. Für mich wäre die aktive Teilnahme vor Ort, der akademische, internationale Austausch, die persönlichen Kontakte und das weitreichende Netzwerk, ein Highlight des Jahres gewesen. Über 12 Monate hatte ich als Künstlerin Zeit, mich auf das Event vorzubereiten und ich freute mich sehr auf die Ausstellung in Norwegen und das Fest.
Bei meinem Recherche-Aufenthalt im September 2019 im Rigsarkivet in Kopenhagen entstanden 3000 Scans der Dokumente und Materialien aus den NSU-Archiv-Boxen. Da es unmöglich war, abzuschätzen, was die unzähligen Boxen enthielten, wählte ich die Materialien intuitiv aus und arbeitete mit allem was mir in der Zeit zur Verfügung stand. In der Projektphase vor der Summer Session wäre es nun darum gegangen, diese Materialfülle zu durchforsten und spezifische Teile auszuwählen. Das Jahr 2020 aber hatte schon ab März andere Pläne bzw. ließ Pläne platzen und wirkte damit tiefgreifend in unser aller Leben. Es wurde klar, dass es kein Jahr des Reisens und des persönlichen Kontaktes werden würde. Das Projekt musste anders und neu gedacht werden und eine situationsorientierte Herangehensweise verlangte nach einer multimedialen Konzeption. Aus der Quarantäne entstand ein völlig neuer und für mich eher ungewöhnlicher Arbeitsansatz. ‚The Trace of the new Spirit‘ formulierte sich als radikale Veränderung. TiS zog nun um, in den virtuellen Raum und mein Laser-Scanner wurde damit zum zentralen künstlerischen Werkzeug. Der Scanner, der mir in Kopenhagen ermöglicht hatte in kurzer Zeit so viele Materialien zu erfassen, wurde nun in meinem Atelier zur Dokumentation meines persönlichen Atelier/Heim-Archivs eingesetzt. Gefangen in den eigenen 4 Wänden, zwang mich der Lock Down zur Auseinandersetzung mit den Dingen der unmittelbaren Umgebung, die als ,Traces‘ in einer Momentaufnahme meines persönlichen Lebens wiedergegeben sind. Das Archiv-Projekt hat sich zu einem digitalen, erweiterten Bildarchiv gewandelt und dokumentiert die Geschichten der Personen und der Zeit.
Für den Besucher hat das TiS Archiv zwei Eingänge: Die Materialien der Nordic Summer University (NSU Archive) und das Now Archive Karima Klasens. Die Internet-Öffentlichkeit und Anniversary-Community der NSU erhält durch diese multimediale Präsentationsform Zugriff auf alle meine Bilder die im Projektzusammenhang entstanden sind.
Die Diskussion, was nun ein Archiv ist oder sein kann, wie wir als Betrachter:innen und Künstler:innen mit Archiven umgehen und welche Botschaften in den Materialien enthalten sind, bleibt jedem einzelnen überlassen.

Förderer: Traces of the North from The Nordics
Auftraggeber: Tracing the Spirit by the Nordic Summer University
Projekttitel: Time in Space – Now Archive
Konzeption und Inhalt: Karima Klasen
Webdesign: Christina Schmid and Simon Malz

English version and site https://www.now-archive.com/